Rosmarie Weinlich
Malerei & Zeichnung | Installation

Durch Azur fallend tief in die Nacht

Nachdem ich mich mehrere Jahre inhaltlich mit der Natur im Hier und Jetzt, in einer Vorstellung von Dauer und gleichzeitig Sterblichkeit, auseinandergesetzt habe, widersetze ich mich der Vergänglichkeit und widme mich nun alchemistischen Experimenten mit anorganischen Stoffen, die länger als ein (Pflanzen-) Leben halten: Kristalle.
In Durch Azur fallend tief in die Nacht ist das gesamte Universum gebündelt in Hüllen verlebter Physiognomie. Aus den zentralen Gestalten dringt Licht, durchbricht die Finsternis und präsentiert sich als ein Möglichkeitsraum der absoluten Existenz. Dabei ließ ich mich durch die heraldischen Himmelsgloben nach Erhard Weigel, dt. Astronom (1625 – 1699), welcher ein Bote vergangener Wissenschaftspraktiken den Himmel mit dessen Ordnungsstruktur von Sternen zu Sternbildern modellierte, inspirieren. Denn Darstellungsformen von Sternkonstellationen gab es schon lange bevor es Astronomie oder Wissenschaft gab. Es gibt Höhlenzeichnungen die zeigen, dass die Menschen damals schon Sterne zu Bildern und Figuren gruppiert haben. Die hellen Lichter am Himmel regten die Phantasie an und jede Kultur hat sich ihre eigenen Mythen, Geschichten und Bilder ausgedacht, um ein wenig Ordnung und Sinn in die vielen Sterne am Himmel zu bringen.
Auch ich bringe meine Meteoriten, wie ich sie nenne, in eine modellhafte Ordnung auf 1m3.Nur auf meinen selbstleuchtenden Himmelskörpern existieren die figürlich, in Reliefform dargestellten Sternbilder lediglich als haptischen Nachhall ihrer Selbst — als Sinnbild der Endlichkeit. Die Ummantelung erzählt von Alterung; Sternbilder sind verlebt und alle Träume scheinbar erzählt. Doch durch einen Spalt dringt Licht und gewährt einen Blick auf die aus ihrem Inneren herauswachsenden bunten Kristallbildungen. Die geöffneten Edelstahlkugeln sind mein gebändigtes Universum, welches durch die Doppelspiegelung in einer Unendlichkeit verharrt.
Begleitet wird dieses durch Klänge, die das Gesehene in Töne übersetzt und den Betrachter in eine weitere Erfahrungseben führt. So könnte auch nach der Urknall-Theorie das Universum vor 14 Milliarden Jahren bei einem lauten Knall, einer gewaltigen Explosion entstanden sein.
Dessen Signalspuren in der kosmischen Hintergrundstrahlung sind heute noch zu erkennen, welche Überreste aus der Zeit des Urknalls sind und wesentlich dazu betragen, Modelle zur Struktur des Universums zu entwickeln. Diese Signale lassen Analogien zur Musik zu. So übersetzte beispielsweise John Cramer, us- amerikanischer Physiker (*1934), die Änderung der Wellenlängen der Temperaturschwankungen der kosmischen Hintergrundstrahlung per Computerprogramm in Töne. Das war bereits 2003.
Mit dieser Installation kann der Betrachter der Musik lauschen, die zur Entstehung meiner Welten führte.

 

 

 


Durch Azur fallend tief in die Nacht
2017
Rauminstallation mit Sound
100 x 100 x 200 cm
14 Edelstahlobjekt mit diversen Kistallbildungen und LEDs, Spiegel
Installationsansicht zu Kronach leuchtet 2017