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  • Mortalität

    Mortalität

    Schichten aus Schwarz,
    Schattierungen von Transparenz und dunklen Linien im Raum;
    inkarnate Oberflächen erstarren in organisch anmutenden Formen:
    Alles verharrt in der sich lösenden Bewegung.
    Der Moment diktiert.

    In der Parallelausstellung zu Georg Braque setzt sich Rosmarie Weinlich in ihren Werken mit dessen Suche nach der bildhaften Entgrenzung in Bezug auf das Motiv der Vogelwesen auseinander. Das Kabinett steht unter dem Thema Mortalität, wobei die einzelnen malerischen Werke als Gesamtinstallation zu verstehen sind.
    Mortalität, Latein für Sterblichkeit, verweist hier auf die Endlichkeit des Lebens und zugleich den Beginn. Rosmarie Weinlichs Oeuvre baut auf dem Auflösen und Wiedererschaffen auf, wobei der analytische Blick, die ästhetische Empfindsamkeit und die künstlerische Neuformung ineinander übergehen. Ihr Interesse gilt dabei jeglicher Erscheinung der Wirklichkeit in einer Vorstellung von Dauer und gleichzeitig Sterblichkeit.

    Mit ihren aktuellen Werken begibt sie sich in ein gesteigertes Gefühl von Verspieltheit und eine größere Erforschung der Malerei. Sie unternimmt den Versuch mit der geschlossenen Bildwelt in den realen Raum vorzustoßen. Die Auflösung des gewohnten Bildträgers wird zum Ausdruck der Flüchtigkeit. Einzelne Malereien lösen sich scheinbar von der Wand, legen sich über die Raumecken und bleiben dann wiederum in ihrer Bewegung erstarrt.

    Weinlichs thematischer Bezug zum Vogelwesen ist der Wunsch und die Vorstellung von der Freiheit des Fliegens. Die am Ausstellungsboden liegende Malerei der „Rabenkrähen“ zeigt Vögel hinter einer gewölbten transparenten Materialbarriere, die den Betrachter vom Motiv trennt. Die Vögel scheinen wie hinter Glas an der Ausübung ihrer Freiheit gehindert zu sein und sich letztendlich vollständig in eine schwarze Morphe aufzulösen.

    Um das Auflösen dreht sich auch die Arbeit „Inkarnat“. Der überdimensionierte Teil der menschlichen Oberfläche löst sich von der Ausstellungswand und gleitet zu Boden. Inkarnat ist ein Begriff in der Kunst, der für die Darstellung der Farbtöne der Haut verwendet wird. Bei genauerem Betrachten des menschlichen Körpers fällt demnach auf, dass sich jede Partie des Körpers aus unterschiedlichen Farbtönen zusammensetzt. Im zweiten Teil der Rauminstallation von Rosmarie Weinlich scheint es nun, dass sich das Schwarz in jegliche Farben aufbricht.